Glück, Liebe und Romantik

Zwei Kultursommer-Veranstaltungen auf der Felsburg
Von Manfred Schaake

Zum siebenten Mal war die 1000 Jahre alte Felsburg Veranstaltungsort des Kultursommers Nordhessen. Zum vierten Mal gab es zwei Aufführungen. Diesmal war Stefan Becker vom Spielraum-Theater Kassel allerdings Alleinunterhalter – als der 232 Jahre alte Wilhelm Grimm. Sein Partner Carlo Giradelli musste wegen Sommergrippe das Bett hüten. Er spielt normalerweise Jacob Grimm.

Die vielen Talente der Brüder Grimm von den Hütern der deutschen Sprache bis hin zu den weltberühmten Märchen lebten zwischen Turm und Burgkapelle wieder auf. Und Stefan Becker freute sich, einmal mehr in der nordhessischen Toskana auftreten zu können.
„Gefährlicher Wandern mit der Brüdern Grimm” – zu diesem Thema komponierte Becker ein buntes Unterhaltungsprogramm bis hin zu dem Tipp, für den schnellsten Weg von Frankfurt nach Kassel lieber die Postkutsche zu nehmen. Wie einst die Grimms.
Hahn, Sense und Katze als Glücksbringer, Schlösser und Könige, Flöten, die Liebe und Romantik, die Grimms, Goethe, der Kurfürst, die Löwenburg und Werther – das ist der Stoff für ein zweistündiges Unterhaltungsprogramm, gespickt mit Ironie, die Weisheiten und Lebenshilfen beinhalten. Becker brachte das Publikum schnell zum Lachen und kam zu dem Schluss: „Romantische Lieben enden oft tödlich.” Er „würzte” seine Beiträge mit Seitenhieben auf das Ausscheiden der Fußball-Nationalmannschaft und auf Seehofer und schilderte, wie schön anno dazumal die Wanderungen der Brüder Grimm in die Schwalm und die Aufenthalte in der „sturmfreien Bude” der Familie von Schwertzell zu Willingshausen waren. Dort hätten die Grimms Grafittis in die Scheiben geritzt, „die es heute noch gibt”.
Viel Spaß hatte das Publikum, als Becker die besten Zeichnungen zu den Bremer Stadtmusikanten präsentierte und in der blau gekleideten Gensunger Ortsvorsteherin Heidi Folwerk die blaue Blume entdeckte, die auch im Felsburg-Lied vorkommt. Innerhalb des historischen Gemäuers befand Becker, dass die Mauern „bestens verfugt sind – das hat der Burgverein vortrefflich gemacht und dafür Preise bekommen”.
„Ich bin von ihm und seiner Stimme immer begeistert”, sagte Besucherin Gundi Gereke über Becker. Sie ist ein Fan der Brüder Grimm und hat das Märchen vom Froschkönig in nordhessisches Platt umgeschrieben. Lothar Hindenburg: „Ein toller Abend – er hat mich an viele schöne frühere Sachen erinnert.”

Bei der Aufführung für Kinder „Papas Geburtstag oder Prinzessin Wilhelmine und der Drache” präsentierte Becker ein Stück, das seine heute 13-jährige Tochter geschrieben und ihm vor drei Jahren zum Geburtstag geschenkt hat. Es war ein fröhliches Familientreffen auf der Burgwiese. Zum vierten Mal dabei war die Mini-Feuerwehr aus Rhünda. „Die Kinder haben sich schon vorher riesig gefreut”, sagten die Betreuerinnen Elke Euler und Beate Stumpf.

Zufriedenheit beim Burgverein. Kulturwart Hans Poth: „Die Resonanz war großartig, die Besucher waren begeistert von der guten Unterhaltung. Damit wurde der Burgverein bestätigt, Theater auf der Felsburg fortzusetzen.”