199 Ziegen und ein Bock - 200 Ziegen pflegen Felsburg

Ziegen als Landschaftsgärtner - Brennnesseln und Brombeeren sind die Leibspeise

Ziegen pflegen die Landschaft am Baudenkmal: Ein besonderes Naturschauspiel war rund um die 1000-jährige Felsburg zu sehen. 199 Ziegen und ein Bock, der für den Nachwuchs sorgt, waren im Landschaftsschutzgebiet unterwegs. Die Tiere gehören Ekkehard Rogee (57) aus Netra im Ringgau. Sie fressen Wildwuchs und Gestrüpp auf. Eine Arbeit, die der Burgverein mit seinen jährlich über 1500 Arbeitsstunden nicht noch zusätzlich leisten kann an den steilen Klippen und Basalthängen.
Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten hat den Ziegen-Einsatz in Felsberg zum vierten Mal organisiert. Landschaftspflege mit Ziegen sei kostengünstiger und ökologischer als das Mähen durch Firmen, hatte bereits im Vorjahr Daniela Schreiter von der Schlösser- und Gärtenverwaltung betont.
Es war ein ganz besonderes Ereignis, als die Ziegen kürzlich vom Naturschutzgebiet am ehemaligen Kloster Kartause über Gensungen und die Ederbrücke durch Felsbergs Altstadt zogen. Die Ziegen hatten Vorfahrt, Autofahrer warteten geduldig. Ingrid Schröder, Jonathan und Malou Rossmeier und Carlotta Stiel führten die Herde an. Sie riefen immer wieder nach Julius und Lieselotte – die Leitziegen. „Sie sind die Chefs, die die Richtung angeben”, erläutert Ekkehard Rogee.
Er ist Förster von Beruf. Seit mehr als 20 Jahren hält und züchtet er Ziegen. In diesem Hobby geht der naturverbundene Mensch auf. Zu seiner Herde gehören bunte deutsche Edelziegen, die Burenziege, die Thüringer Waldziege und die französische Rasse Rove. Und daraus züchtet der Fachmann auch die so genannte Gebrauchskreuzung für die Landschaftspflege. Brombeeren und Brennnesseln sowie weitere Sträucher sind laut Rogee eine Delikatesse für seine Ziegen. Liguster und Flieder dagegen mögen sie gar nicht, und Gras finden sie uninteressant.
Rogees Ziegen gehören zum Weideprojekt „Ringgauer Ziegenfeuerwehr” und beweiden unter anderem Kalkmagerrasen. Im Stall sind die Tiere nur von November bis Ende April. „Die Felsburg ist ideal für die Ziegen”, sagt Rogee. Und Erik Herzog, seit vielen Jahren Vorsitzender des Arbeitskreises des Burgvereins, freut sich über die Herde: „Ein wunderbarer Einklang zwischen Mensch und Natur. Wir sind glücklich, dass uns die Ziegen erneut bei unserer Burgpflege unterstützen.” Mit dem Vereinsvorstand hofft Herzog, dass die Ziegen nun jedes Jahr kommen. Sie waren zuvor auch auf dem Heiligenberg im Einsatz und ziehen noch zum Geschellenberg bei Hilgershausen weiter. (m.s)

Keine Absturzgefahr
Besorgte Felsberger haben in den vergangenen Jahren beim Burgverein angerufen. Sie hatten Angst, dass die auf den Klippen und Mauern herumspringenden Ziegen abstürzen. Beruhigt gibt der Ziegenzüchter Ekkehard Rogee Entwarnung: „Ziegen stammen aus dem Hochgebirge. Sie stürzen nicht ab.”
Etwa 30 bis 50 Familien hatten nach dem Krieg in Felsberg Ziegen. Die Fläche am Burgaufgang Breyhenne heißt seit Jahrhunderten Ziegenhute. Neben dem vor 61 Jahren eingeweihten Ernst-Schaake-Bad gab es einen Ziegenbockstall. Viele neugebaute Häuser hatten nach dem Krieg einen Ziegenbockstall. Die Ziege nannte man auch die Kuh des kleinen Mannes. (m.s.)

Ziegen in Zahlen
1 bis zwei Lämmer bringt eine Ziege pro Jahr zur Welt. Die Tiere werden bis zu zwölf Jahre alt.
4 bis acht Tage brauchen die Ziegen im Durchschnitt, um einen Hektar Gestrüpp „abzugrasen”.
50 Prozent der Nahrung von Ziegen besteht aus Gehölzen. Schafe ernähren sich zu zehn Prozent von Gehölzen und zu 90 Prozent von Gras.
100 Kilometer und mehr legt die Ziegenherde von Ekkehard Rogee im Jahr in Nordhessen zurück. (m.s.)