Suche nach der besten Fuge - Neue Fugen für die Forschung - Neuer Mörtel unter der Lupe. Restauratorin Harms legt Musterflächen auf der Felsburg an

Von Manfred Schaake
Auf der Suche nach der besten Lösung zum Erhalt mittelalterlichen Mauerwerks sollen Musterflächen auf der über 1000 Jahre alten Felsburg helfen. Diese Flächen mit verschiedenen Mörtelrezepturen sollen im nächsten Jahr begutachtet, die Ergebnisse ausgewertet werden. Das haben der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) – früher die Staatsbauverwaltung – und die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen auf Anfrage unserer Zeitung mitgeteilt.

Die Musterflächen waren im Herbst vorigen Jahres an der Nordmauer der Felsburg von Diplom-Restauratorin Kirsten Harms aus Ellerstadt an der Weinstraße angelegt worden. Sie hatte zuvor die vom Einsturz bedrohten gotischen Fenster sowie Putzreste aus dem Mittelalter gesichert. Um das Gemäuer vor eindringendem Wasser zu schützen, waren an diesen Stellen auch die Mauerkronen restauriert und die Musterflächen angelegt worden.

„Die Bauunterhaltung an den Mauerkronen und an den Mauerflächen wird auch weiterhin eine ständige Aufgabe sein”, erklärt LBIH zum Thema Felsburg und verweist auf die enge Abstimmung mit Schlösser und Gärten. Die staatseigene Felsburg bleibt also ein Fall für die Bausanierer und Denkmalpfleger. Auch in diesem Jahr werden wieder Arbeiten am Mauerwerk ausgeführt, kündigt LBIH an. Die Restaurierungsarbeiten an den Fenstern der Palaswand sollen abgeschlossen werden.

Mit Kirsten Harms beauftragte das Land im Vorjahr eine Fachfrau, die bereits an der Hersfelder Stiftsruine sowie an Weltkulturerbe-Bauwerken gearbeitet hat. Die von ihr angelegten Probeflächen sind auch ein Fall für das Institut für Steinkonservierung in Mainz – es begleitet das Felsburg-Projekt. Die Musterflächen sollen 2019 begutachtet und dann bewertet werden. „Das große Problem aller Burgruinen sind generell die offen stehenden Mauerkronen”, erläutert Kirsten Harms. Einst waren die Mauern durch Dächer geschützt. Durch die heute fehlenden Dächer unterliegen die Mauerfugen direktem Wassereintrag und thermischer Spannung, die laut Harms bei Basaltmauerwerk extrem stark ist. Hohe Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter beschleunigen die Fugenschäden. Ein weiteres Problem ist die Vegetation. Harms: „Sie zerstört durch das einwandernde Myzel die Fuge. Das Bindemittel wird abgebaut, die Feuchtigkeit länger gehalten, Wurzelwerk sprengt das Gefüge.” Basalt ein kompliziertes Gestein Die unterschiedlichen Musterflächen auf der Felsburg bestehen aus Kalk- sowie Kalk-Trass-Mörtel. Beide Mörtel haben Vorzüge und Nachteile, erläutert Diplom-Restauratorin Kirsten Harms: „Ein universelles Ergebnis gibt es derzeit in solchen Fällen nicht. Somit sind die angelegten Flächen ein weiterer Beitrag zur Erprobung von Lösungsansätzen innerhalb der Denkmalpflege.” Da der Basalt ein wirklich kompliziertes Gestein sei und man das Objekt Felsburg in dieser detaillierten Betrachtung erst kurz kenne, werde man erst im nächsten Jahr eine verwertbare Aussage machen können. Sie vermute, sagt Harms, dass der Kalkmörtel trotz der großen thermischen Belastung und der großen Problematik des Basaltsteines bezüglich der Haftung die besseren Ergebnisse zeigen werde. (m.s.)