Fünf Sterne für die Felsburg   Besucher-Lob beim Tag des offenen Denkmals
Von Manfred Schaake
Die über 1000 Jahre alte Felsburg war am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals bei sommerlichem Wetter ein Publikumsmagnet. Sogar nach dem offiziellen Toresschluss kamen noch Gäste. Viele lobten den herrlichen Rundumblick ins Edertal und die Arbeit des Burgvereins. Der betreut das staatseigene Baudenkmal seit 1885 und hat ehrenamtlich schon bis zu 2000 Arbeitsstunden pro Jahr geleistet. Seit zwei Jahren sind es wegen Corona weniger Stunden, aber die Arbeitseinsätze finden weiter statt – so auch am kommenden Samstag ab 9 Uhr. Die Burg ist bis Ende Oktober jeden Sonntag von 13 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.
Trotz Corona ist das Besucherinteresse groß, und in diesem Jahr haben schon elf standesamtliche Hochzeiten auf der Burg stattgefunden, berichtete Vereinsvorsitzender Horst Fenge. Bisheriger Rekord waren 23 Hochzeiten im Jahr. Es gebe mehrere aktive Gruppen, die mit dem Arbeitskreis („Unser Jugendclub unter 90”) dafür sorgten, dass die Besucher Spaß an der Burg haben.
„Die Anlage ist einmalig schön und gut gepflegt – fünf Sterne”, sagte beim Tag des offenen Denkmals Christian Drosdeck aus Offenbach. „Es ist toll, was der Verein leistet”, betonte Peter Hohmann aus Kassel. Seine Frau Astrid bezeichnete das Glockenspiel als eine Bereicherung. „Das Glockenspiel ist wundervoll”, sagte Gisela Sittig aus Deute. Ihr Mann Frank: „Die Burganlage ist sehr gut gepflegt, vor dem Verein kann man nur den Hut ziehen. Es war ein sehr informativer Nachmittag.”
Bei der Führung durch Kulturwart Hans Poth wurden die Besucher mitten ins Mittelalter versetzt. Sie erfuhren wichtige Details über das Leben von anno dazumal. Poth erläuterte, dass die Drei-Burgenstadt neben Heiligenberg, Altenburg und Felsburg eigentlich fünf Burgen hatte. Auch in Wolfershausen habe es eine Burg gegeben. Und auf dem jetzigen Weinberg bei Böddiger habe mal eine karolingische Burg gestanden. Die ersten Urkunden der Felsburg stammen aus der Zeit zwischen 1060 und 1090.
„Ohne den Burgverein gäbe es die Felsburg nicht mehr.” Dieses Zitat des ehemaligen Wirtschaftsministers Dieter Posch und des Staatsbauamts-Chefs Wolfram Kuske fiel beim Denkmaltag. Die vom Verfall bedrohte Burg wurde vom Land Hessen saniert, auch der Burgverein engagierte sich mit Geld und viel Eigenleistung. Er bekam dafür den Hessischen Denkmalschutzpreis sowie den Paul-Dierichs-Preis der HNA.
Heiterkeit löste auch beim Denkmaltag die Frage aus, wie hoch der aus 1388 stammende Turm ist und welchen Umfang er hat. Jeweils 30 Meter lautet die richtige Antwort, wie Poth erläuterte. Wie so oft gab es Fragen zur Altenburg. Die ist im Privateigentum und kann nicht besichtigt werden.
Hintergrund
Grafen bauten auf Vulkanfelsen
Die Felsburg entstand auf einem erloschenen Vulkan. Der beim Bau verwendete Basalt wurde an Ort und Stelle aus dem Berg gebrochen, die Herkunft des mit verbauten Sandsteins ist unbekannt. Er könnte aus der Nähe von Balhorn, Züschen oder Wolfhagen stammen. Den Grundstein für die Felsburg – eine der ersten Steinburgen in Niederhessen – legten die Grafen von Felsberg. Vom 11. bis 13. Jahrhundert war die Burg Sitz der Grafen. Fachleute der hessischen Landesgeschichte – so Burgführer Hans Poth – wollen die Grafen von Felsberg bereits um das Jahr 900 nachweisen. Wissenschaftlich sei dies nicht gesichert. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts werden die Ritter von Felsberg genannt. Erstmals sicher zu bestimmen ist das Grafengeschlecht laut Poth 1090 mit dem Titel Grafen von Velisberg. Berthold, der letzte Graf von Felsberg, trat in das Kloster Corvey ein. Dort lebte er ohne Nachkommen bis zu seinem Tod. Damit war das Grafenhaus Felsberg ausgestorben. Das Todesdatum ist nicht überliefert. m.s.