125 Jahre Burgverein - im Zeitraffer

Gründung

Wie jeder Verein, der 120 Jahre besteht, hat auch der Burgverein Felsberg eine sehr abwechslungsreiche Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen. Geprägt vom Zeitgeist verschiedener historisch-politischer Strömungen und geführt von mit großem Idealismus ausgestatteten Vorsitzenden, ist dieser Verein seit seinem Bestehen ein kultureller Mittelpunkt der mittelalterlichen Kleinstadt Felsberg.
Wenn auch die Gründung etwas im Dunkeln liegt, so ist doch mündlich überliefert, dass im Jahre 1885 in Felsberg ein Verein für Heimatpflege unter dem Namen „Touristen- und Wanderverein“ ins Leben gerufen wird. Gründer ist der Forstmeister a. D. Karl Wilhelm Christian Faber, ein Sohn des Metropolitans Karl Faber.
Von dem Bestehen und der Arbeit des Touristenvereins befinden sich leider keinerlei Aufzeichnungen bei den Vereinsakten. Über Faber ist allerdings bekannt, dass er sich sehr um die Aufforstung des Heiligenbergs bemühte. Als ein großer Segen für die Vereinstätigkeit hat sich sein Fachwissen und Fachkönnen aus seinem Berufsleben ausgewirkt. Dank Fabers Initiativen wird der Heiligenberg, der in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch eine kahle steinige Kuppe ist, unter großen Mühen durch Hinaufschaffen von Erde und nachfolgenden Anpflanzungen in einen bewaldeten Zustand versetzt. Unter seiner Anleitung errichtet der rührige Verein, sehr zur Freude der einheimischen Bürger, neben einer Gaststätte, die von „Mutter Aubel“, Melgershausen, unterhalten wird, auch ein Schutzhaus. Weiterhin betreibt man mit großem Einsatz die Anlage und den Ausbau von Wegen um den Gipfel des Heiligenberges.
Sodann wendet sich der Verein dem Felsberger Burgberg zu und erreicht 1890 bei der Domänenverwaltung, dass sie ringsum begehbare Wege anlegt und den ganzen Berg mit Laub- und Nadelbäumen bepflanzt. Um diese Zeit wird auch vom Rathaus her ein treppenähnlicher Weg errichtet. Zwischen 1886 und 1888 kennzeichnet der Verein Wege der „Hessischen Schweiz“ bei Rhünda sowie Verbindungswege von Felsberg und Melsungen aus zum Heiligenberg. Ja sogar für Wegmarkierungen von der Söhre aus über Eiterhagen, Kehrenbach, Kirchhof bis nach Melsungen und weiter nach Spangenberg zeichnet man sich verantwortlich. Im Laufe dieser Jahre (etwa 1890) gibt sich der Verein schließlich einen anderen Namen; man nennt sich jetzt „Heiligenberg-Club“, weil der Verein sich verstärkt wiederum in seinen Aktivitäten auf den Heiligenberg konzentriert. Dies ist offensichtlich auch auf die Zusammensetzung der Mitglieder zurückzuführen, da Gensunger Bürger in dieser Phase im Verein zahlreicher vertreten sind.  

Um die Jahrhundertwende

Relativ ruhig um den Verein wird es um die Jahrhundertwende; das Vereinsleben scheint zeitweise sogar abgestorben, zumindest links der Eder. Hauptlehrer Heere ist es dann zu verdanken, dass am 18. Juli 1906 der Verein reaktiviert wird und jetzt unter dem Namen Burgverein Felsberg neu aufblüht und sich nun ausschließlich dem Schlossberg und der Burg widmet. 
Sind bei der Gründungsversammlung nur 20 Bürger anwesend, so schnellt die Zahl der Mitglieder schon bald auf 54. Eine aus dem Jahre 1907 erhaltene handgeschriebene Satzung regelt in 14 Paragraphen die Aufgaben des Vereins. Danach „bezweckt der Burgverein die Erhaltung der Felsburg, Verschönerung des Schlossberges und Hebung des Fremdenverkehres“. 
Aufgenommen werden kann nicht nur „jeder unbescholtene Felsberger Bürger, sondern auch Auswärtige, die das nötige Interesse für den Verein und seine Tätigkeit haben“. Übrigens zählt der Verein zu diesem Zeitpunkt bereits 77 Mitglieder. Gleichzeitig wird auch ein Pachtvertrag zwischen Burgverein und der preußischen Regierung, der damals die Burg gehörte, abgeschlossen, wonach der Verein für die Erhaltung und Pflege der Burg und des gesamten Burgberges aufzukommen habe.
Wiederum zeigt der Verein nach außen hin, wie sehr er sich um die Erschließung der Burg bemüht. Zunächst wird eine steinerne Treppe vom Rathaus her gebaut und die Wege um und zur Burg verbessert. Sodann errichtet man Anlagen und stellt Sitzbänke auf. Das Kleinod der Stadt Felsberg, die Burg und das Gelände ringsherum, werden mit großem Einsatz regelrecht „herausgeputzt“.  

Auswirkung der Jugend- und Wanderbewegung

In einer weiteren Satzung vom 14.04.1914 werden die Aufgaben des Vereins noch durch folgenden Zusatz erweitert: „Weckung und Stärkung des Heimatgefühls insbesondere durch Veranstaltung belehrender und unterhaltender Volksunterhaltungsabende und Aufführung geschichtlicher  und ländlicher Volksstücke, Pflege der heimatlichen Geschichte und Sage, des heimatlichen Sprach- und Liederschatzes, Sammlung der Überreste und Überlieferungen aus dem heimatlichen Volkstum“.
Die Jugendarbeit des Vereins ist gemäß dem Ministerialerlass von 1911 angelegt, wonach junge Menschen durch„fröhliche Betätigung“ zu „körperlicher Leistungsfähigkeit“ verbunden mit „Sinn für das heimatliche Leben“ zu erziehen seien. Die um diese Zeit in ganz Deutschland einsetzende Wander- und Jugendbewegung greift auch auf Felsberg über. Ein 1913 auf dem Hohen Meißner abgehaltenes Treffen aller deutschen Wandergruppen, wo sich die deutsche Jugendbewegung nach der so genannten „Meißner-Formel“ einigt, wirkt sich maßgeblich auf den Burgverein aus. Ganz im Zeichen der Zeit will man sich auch hier freimachen von gesellschaftlichen Zwängen, um eigene Idealvorstellungen zu entwickeln. In bewusster Romantisierung der Natur und des heimatlichen Brauchtums versucht man sich wenigstens zeitweise dem Druck der Leistungsgesellschaft zu entziehen.
Wanderungen in der engeren Heimat und Ausflugsfahrten in die weitere Umgebung Nordhessens zeugen von der Naturverbundenheit des Vereins und werden mehr und mehr zum festen Bestandteil des Vereinsgeschehens.
Das Protokollbuch aus der damaligen Zeit verrät einige Aktivitäten des Vereins, die auf den ersten Blick nicht überwältigend wirken, dennoch den Zeitabläufen entsprechend als modern gelten und gleichzeitig exemplarischen Charakter für die Kleinarbeit des Vereins haben.

1907 Ausschank im Burghof
1909 Konservator Professor von Drach stellt eine Ansicht von Felsberg aus der Mitte des 17. Jahrhunderts für Postkarten zur Verfügung. Weitere Ansichten zeigen Felsberg in Süd-, Nord- und Westansicht.    
1910 Aufstellung eines Ansichtskartenautomaten innerhalb der Burg, Errichtung eines Blitzableiters auf dem Burggelände, Anschaffung von Schränken für Vereinsinventar.
1913 Aufführung des Volksdramas aus der Franzosenzeit „Unsere Helden“.
1920 Der Ziegenzuchtverein erhält gegen eine Pacht von 15 DM den alten Steinbruch (heute bekannt als Ziegenhude).
1927 Aufführung von „Wilhelm Tell“ auf der Burgwiese
1929 44. ordentliche Mitgliederversammlung des Hessisch-Waldeckischen Gebirgsvereins in Felsberg (große Resonanz)

Auf Anraten von Amtsgerichtsrat Grebe schließt sich der Burgverein Anfang 1928 dem Hessischen Gebirgsverein an, der sich ganz dem Wandern im hessischen und waldeckischen Bergland verschrieben hat und gleichzeitig Bestrebungen des Natur- und Heimatschutzes unterstützt. Die Selbständigkeit des Burgvereins bleibt dabei unangetastet. Der Anschluss wird von den Mitgliedern – laut Protokollakten – deshalb besonders lebhaft begrüßt, weil man hier eine günstige Gelegenheit sieht, „in das Verbandsnetz des Hessischen Gebirgsvereins aufgenommen zu werden“ und sich – damit verbunden – eine Steigerung des Fremdenverkehrs in Felsberg verspricht. Außerdem erhofft man sich eine Übernahme der Instandsetzungskosten der Burg, die nur teilweise vom Staat getragen werden. Bei spärlich fließenden Finanzmitteln ist natürlich auch der Verein immer wieder mit Eigeninitiativen und Eigenleistungen gefordert.
Die zwanziger Jahre sind insgesamt von reger Vereinstätigkeit gekennzeichnet. In vielen Veranstaltungen stehen Burg und Burgberg im Mittelpunkt kulturellen Lebens der Stadt. Burgfeste mit Umzügen, Burgsingen, Konzerte, Kinderfeste auf dem Burgberg, Theateraufführungen mit Vereinsmitgliedern in der Burg und auf der Freilichtbühne legen davon Zeugnis ab. Zahlreiche Vorträge über historische, geographische und naturkundliche Themen werden gehalten. Wanderungen, nicht nur innerhalb des Vereins sondern auch in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Gebirgsverein, führen in die engere und weitere Heimat.   

Die dreißiger Jahre

Schmerzlich einschneidende Veränderungen ergeben sich für den Burgverein mit dem Antritt der Hitler-Regierung. Gemäß einer Verfügung des Führers des Reichsverbandes „Deutscher Gebirgs- und Wandervereine“ werden alle Heimat- und Wandervereine „gleichgeschaltet“, Vereinsvorsitzende haben der Partei anzugehören und Juden dürfen keine Mitglieder mehr im Verein sein. Solche widrigen Bedingungen müssen sich zwangsläufig negativ auf das Vereinsgeschehen auswirken, weil sie die Entfaltungsmöglichkeiten stark einengen. Hier ein Auszug aus dem Protokollbuch der dreißiger Jahre:

1930 Die Regierung stellt 4.450,- RM zur Verfügung. Für damalige Verhältnisse  ein sehr hoher Betrag.
1931 An Sommersonntagen wird auf der Burg die Fahne aufgezogen.
1938 wird der Anschluss des Burgvereins an den Heimatschutzverein beschlossen. Ausschlaggebend für diese Entscheidung ist wohl, dass sich diese Organisation in besonderer Weise um die Verschönerung der Ortsbilder Nordhessens Verdienste erworben hat und infolgedessen man sich auch in Felsberg Vorteile erhofft. Wieder einmal mögen aber auch finanzielle Gründe eine wichtige Rolle gespielt haben.
1939 Großes Burgfest mit Aufführung „Unsere Helden“

Den Umständen entsprechend kommt in der Zeit des II. Weltkrieges (1939 – 1945) das Vereinsleben fast zum Erliegen, nachdem zahlreiche Mitglieder zum Wehrdienst einberufen worden waren.  

Wiederaufbau nach dem  II. Weltkrieg

Die Zeit des Nationalsozialismus und die ersten Jahre nach dem Zusammenbruch lassen die Ideale der Burgvereins-Mitglieder indessen nicht untergehen. Frei von falschen politischen Untertönen erfolgt auf Anraten der Stadtverwaltung im Jahre 1947 eine Wiederbelebung des Vereins. Dabei orientieren sich die Gründungsmitglieder an den Vorstellungen der Satzung von 1914, die übrigens bis heute in nahezu unveränderter Form noch Gültigkeit hat. Mit der vereinsinternen Benennung eines Bausachverständigen und eines Kulturdezernenten werden zusätzliche Schwerpunkte der Arbeit des Burgvereins nach außen hin dokumentiert. Insgesamt 34 Einwohner bewerben sich bei der Wiedergründungs-Versammlung um die Aufnahme in den Verein. Wie das Protokollbuch verrät, befinden sich unter den neuen Mitgliedern auch relativ viele Frauen.
Es folgt die Instandsetzung der Wege zur Burg und deren Bezeichnung. Es werden Linden angepflanzt und Ruhebänke aufgestellt; und vor allem die schlimmsten Übelstände auf der Burg behelfsmäßig beseitigt. Die Unterbrechung der jährlichen Unterhaltungs- und Erneuerungsarbeiten während des Krieges und der Nachkriegszeit, die in der gleichen Zeit überhand  nehmende Zerstörungssucht und der Beschuss durch die Amerikaner haben große Schäden verursacht. Das einzige noch erhaltene Gebäude, das so genannte Pulverhaus, ist durch mutwillige Verwüstungen, Diebstähle der hölzernen Dachteile und Einschläge von Granaten kleineren und mittleren Kalibers in seinem Bestand bedroht. Die ersten wesentlichen Arbeiten sind die Abdeckung der beschädigten Mauerteile, die Erneuerung des Daches, der Ersatz der zertrümmerten und gestohlenen Türen und die Hegung des durch Diebstahl und Beschuss stark gelittenen Baumbestandes.
Im Jahre 1950 erhebt der Verein schärfsten Protest gegen einen geplanten Verkauf der Felsburg an ein Privatunternehmen.
Der Burgverein hat sich auch in anderer Weise, heute gar nicht mehr oder kaum noch bekannt, um das Wohl der Stadt verdient gemacht. Zeigt man doch hier besondere Anstrengungen, als es in der Nachkriegszeit um die Integration von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen geht. Ihnen wird Felsberg, auch mit Hilfe des Burgvereins, bald zu einer zweiten Heimat.
In der Nachkriegszeit wechselt die Felsburg ihren Besitzer, sie fällt nun in den Zuständigkeitsbereich des Bundeslandes Hessen, das in Rechtsnachfolge die Verantwortung für die gesamte Anlage übernimmt. Juristisch abgesichert wird das neue Besitzverhältnis 1952 in einem Pachtvertrag, der im Laufe der Jahre ergänzt und auf den neuesten Stand gebracht wird. Als Vertragspartner sichern Burgverein Felsberg auf der einen Seite und Land Hessen auf der anderen Seite endgültig die bauliche Unterhaltung der Burg. In diesem Pachtvertrag verpflichtet sich der Burgverein, die Sicherung, Unterhaltung, Instandsetzung, Pflege und Verschönerung der gesamten Burganlage zu übernehmen.
Gleich zu Beginn der fünfziger Jahre bis in die Gegenwart andauernd, erlebt der Verein eine erneute Blüte, die sich in vielen Aktivitäten widerspiegelt. Nach wie vor liegt der Schwerpunkt auf den Renovierungsarbeiten an der Burg, im Wandern, wobei sich später spezielle Frauen-, Altherren- und Jugendwandergruppen bilden, in der Gestaltung von Ausflugsfahrten und sogar im Besichtigen von Betrieben. Dabei pflegt man intensiven Kontakt mit dem Hauptverein, an dessen Veranstaltungen Burgvereinsmitglieder immer wieder teilnehmen. Aber auch mit einheimischen Vereinen und der Schule steht man in enger Verbindung und hält gemeinsame Veranstaltungen ab. Das gute Verhältnis zur Stadtverwaltung zahlt sich insbesondere unter Bürgermeister Ernst Schaake aus, der sich in seiner Amtszeit bei verschiedenen behördlichen Stellen um Geld für den Verein bemüht; dank seiner Initiativen und seines Engagements können viele Renovierungsarbeiten finanziert und juristische Detail-Probleme in Zusammenhang mit der Burg geklärt werden.
Hier ein Auszug aus den Aktivitäten, wie sie in den Vereinsakten verzeichnet sind: 

1949 Aufführung eines Märchenspiels.
1950 Erstes Burgfest nach dem Krieg mit Festzug. Weitere folgen 1951, 1952, 1954, 1966, 1985.
1951 Renovierungsarbeiten an der Burg, Bepflanzungen, Burgbeleuchtung.
1954 Renovierungsarbeiten an der Burg, Bepflanzungen, Burgbeleuchtung.
1956 Ausstellung „Die Burgstadt im Bild“.
1958 Umfangreiche Renovierungsarbeiten an der Burg, großer Anteil von Eigenleistungen, erstes Burgsingen.
1960 Einrichtung eines Museums in der Pankratiuskapelle (bis 1971)
1965 Umfangreichste Renovierungsarbeiten auf der Burg, erstmals „Ein Jahr geht um die Burg“.
1969 Installation einer neuen Beleuchtungsanlage.
1970 Überdachung an der Süd-Ostseite der Burg.
1974 Sicherungsarbeiten durch das Staatsbauamt Homberg.
1988-
2005
Umfangreiche Renovierungsarbeiten.

Wissenschaftliche Arbeit, von wenigen Ausnahmen abgesehen bisher noch vernachlässigt, wird jetzt auch im Verein betrieben. Hier ist insbesondere Dr. Karl Muster zu nennen, dessen fachlich fundierte Ausführungen zur Stadt- und Burggeschichte Felsbergs noch heute bei Fachhistorikern größtes Ansehen genießen.
Neben der Erhaltung der Burganlage hat man sich in den vergangenen Jahren verstärkt auch dem Natur- und Landschaftsschutz rund um den Burgberg verschrieben. Dank der Initiative des Burgvereins wird das gesamte Terrain zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.
Seit 1994 bietet der Verein Führungen zur Burg- und Stadtgeschichte an. Der mehrfach erfolgreich veranstaltete “Tag des offenen Denkmals” führt immer wieder viele Menschen auf die Burg und verrät deren großes Interesse am Mittelalter.

Der Burgverein ist eine gelungene Mischung aus Heimat-, Kultur-, Geschichts- und Wanderverein.

Geschichte der Felsburg

Gleichsam als Wächter thronen die Felsburg, die Burg Heiligenberg und die Altenburg über dem Edertal. Zusammen mit idyllischen Tälern und bewaldeten Hügeln verleihen diese mittelalterlichen Bauwerke der Landschaft einen besonderen Reiz und laden zu einem Spaziergang in die Vergangenheit ein.
Wenig bekannt dürfte sein, dass es noch weitere Wehrbauten in Felsberg gab:
Im Stadtteil Neuenbrunslar auf dem Weinberg eine Festung aus karolingischer Zeit und im Stadtteil Hesserode eine Wasserburg, die zu einem landwirtschaftlichen Anwesen umgebaut wurde. Auch im Stadtteil Wolfershausen befand sich in der Nähe der heutigen Kirche bis 1293 eine Burg. Wie viele andere mittelalterliche Festungen waren auch die Felsberger Burgen sichtbarer Ausdruck von Macht. Stabilisierung und Verteidigung von politischem Einfluss und Herrschaft über ein bestimmtes Territorium gingen von ihnen aus. In ihrer Blütezeit kamen ihnen viele Funktionen zu: Sie waren die Wohnräume des Adels, hatten militärische Aufgaben, dienten der herrschaftlichen Repräsentation und waren Stätten des Gerichts- und Verwaltungswesen. Das Leben auf den Burgen in unserer Region war für Jung und Alt entbehrungsreich und stellte harte Anforderungen. Romantische Vorstellungen über das Leben im Mittelalter, auf die man noch vielfach stößt, entsprechen nicht der Wahrheit. Freilich geht auch heute noch ein Zauber von den Burgen aus, der uns zu einer Beschäftigung mit ihnen reizt.

Die Lage

Der 180 Meter hohe Basaltkegel hatte stets seine strategische Bedeutung und war vermutlich bereits in chattischer Zeit befestigt.
Wer hier oben saß, beherrschte die von Allendorf in den Sooden über Melsungen, Felsberg nach Fritzlar und weiter in das Rheinland führende Sälzer Straße, auf der man Salz, das damalige „weiße Gold” transportierte. Von hier kontrollierte man auch die Furt an der Eder zwischen Felsberg und Gensungen, sowie die durch das Edertal in Nord-Süd-Richtung verlaufende Frankfurter Straße.

Die Grafen von Felsberg

Urkundlich erwähnt wurde die Burg erstmals 1060, als sie sich im Besitz der Grafen von Velisberc befand. Bis 1238 herrschte dieses Grafengeschlecht über ein Gebiet, das etwas größer war als die heutige Fläche der Stadt. Beim Wettstreit um die Vorherrschaft in Niederhessen waren die Felsberger jedoch zu schwach, um sich gegen benachbarte Grafenhäuser zu behaupten. Der letzte Spross der Felsberger zog gegen Ende des 13. Jahrhunderts in die Nähe des Klosters Corvey, wo das Geschlecht schließlich ausstarb.

Burgerweiterung

Mehrfach stand die Burg im Mittelpunkt des hessisch-thüringischen Erbfolgestreits. Auch als sie 1247 zur Landgrafschaft Hessen kam, gab es keine Ruhe. In dieser Zeit hatten Burgmänner im Auftrag der Landgrafen den gesamten Burgberg zu verwalten. 
Bereits 1185 hatte der Erzbischof von Mainz den Heiligenberg befestigen lassen, um von hier und von Fritzlar aus, Angriffe auf die Felsburg vorzubereiten - ohne Erfolg, und das auch deshalb, weil zwischen 1336 und 1339 Landgraf Heinrich II., auch „der Eiserne” genannt, die Burg erheblich verstärken, den Zwinger an der Nordseite anlegen und den Turm durch einen Aufsatz erhöhen ließ. So entstand der markante „Butterfassturm”. Schließlich wurde gegen Ende des 14. Jahrhunderts die Befestigung noch der Entwicklung der Feuerwaffen angepasst.

Historische Persönlichkeiten

Ein Alchimist namens Claus von Urbach trieb 1453 bis 1455 sein Unwesen auf der Burg. Dieser Scharlatan hatte dem Landgrafen versprochen, Gold zu erfinden. Doch weil der Erfolg ausblieb, wurde er des Landes verwiesen.  
Zwischen 1511 und 1514 verlegte Landgräfin Anna, die Mutter Philipps des Großmütigen, ihren Witwensitz auf die Felsburg.

Kriegseinwirkungen

Im 30-jährigen Krieg wurde die Anlage durch die kaiserlichen Truppen erstmals zerstört. Für einige Felsberger Bürger diente der Burgturm als Zufluchtsstätte vor Soldaten, die plünderten und mordeten. Aber noch mehr hatte sie im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) zu leiden.
So war die Festung 1761/62 von den Franzosen besetzt, und erst nach heftigem Beschuss mit Kanonen und Haubitzen wurde sie von hessischen Jägern unter Major von Linsingen befreit. Dabei wurden zahlreiche Gebäude zerstört. Übrig blieb die Ruine, wie man sie heute kennt.
Über 300 Jahre, von 1544 bis 1846, lagerte in der Schlosskapelle eine große Menge Pulver, sehr zum Leidwesen der Bevölkerung. Schließlich musste man ständig mit einer drohenden Explosion leben. Noch heute spricht man von dem „Pulverhäuschen“. 

Ein Kuriosum:

1789 gab es einen Antrag von einem Felsberger Bürger auf Abriss des Turmes. Er wollte mit einigen anderen die Steine als Baumaterial für sein Wohnhaus verwenden. Glücklicherweise wurde der Antrag vom Landgrafen in Kassel abgelehnt und so das Wahrzeichen der Stadt gerettet.
  

Aktivitäten und Pläne des Burgvereins Felsberg

Seit 1871 befindet sich die Felsburg im Besitz des Landes Hessen, das sich in der Vergangenheit mit aufwändigen Sanierungsmaßnahmen engagiert hat und in Zukunft noch einiges investieren muss, um den derzeitigen Zustand zu erhalten. In einem Betreuungsvertrag zwischen der staatlichen Verwaltung der Hessischen Schlösser und Gärten und dem Burgverein sind die Rechte und Pflichten geregelt.

In einem sich über Jahrzehnte hinweg reichenden Kraftakt setzte sich dieser äußerst aktive Verein für den Erhalt des nordhessischen Kleinods ein. Natürlich geht das nicht ohne das Land Hessen, das in den letzten Jahren fast 2 Millionen Euro in das Bauwerk investierte.

Es ist das erklärte Ziel des Burgvereins, die Felsburg wieder stärker der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Nutzungskonzept sieht historische Führungen, Beschilderungen und Veranstaltungen auf dem Burgberg vor, so dass hier ein Zentrum lokaler und regionaler Kultur entstehen kann. Geschichte soll begehbar gemacht werden.