Im Schutz mächtiger Steine

Dank Stadtmauer, die heute in Teilen noch erhalten ist, sicherte sich Felsberg vor Feinden
Wie in vielen mittelalterlichen Städten gehören auch in Felsberg Burg, Kirche, das ehemalige Rathaus und Marktplatz noch heute zu den Bauwerken, die das Stadtbild prägen. Nur an Straßennamen ablesbar und auch im Original eher selten erhalten ist dagegen das umfangreichste Baudenkmal der Stadt: die Stadtmauer.

Stadtmauer

Auf die Stadtbefestigung gebaut: Die Scheunenwand des Hofes Scheffer ist auf der Basaltmauer. Foto: Poth


Burg, Stadtmauer und im südlichen Vorfeld die Landwehr, die bis zur Eder ausgebaut war, bildeten ein auf einander abgestimmtes Verteidigungssystem für die mittelalterliche Stadt. Direkt vor der Stadtmauer einbezogen war die Sülzelache mit der Aufgabe eines Festungsgrabens.
Die Mauer schützte die Menschen sowie deren Häuser, Scheunen, Erntevorräte, Vieh, Werkstätten und Läden vor Raubüberfällen, Fehden, Plünderungen oder sonstigen kriegerischen Übergriffen.
Dabei diente die befestigte Stadt zunächst den Grafen von Thüringen und später den Landgrafen von Hessen zum Ausbau des Territoriums. Die Stadtmauer grenzte die Kleinstadt von ihrer dörflichen Umgebung ab, nicht nur räumlich, sondern auch politisch. Das Recht zum Mauerbau erteilte der Landesherr, er besaß auch die Wehrhoheit.

Befestigungsgürtel

Über 900 Meter legt sich die Stadtmauer aus Basaltsteinen wie ein Befestigungsgürtel rund um die heutige Altstadt und lässt diese wie eine große Burg erscheinen. Gemäß den Stichen von Wilhelm Dilich und Matthäus Merian dürfte die Höhe zwischen vier bis sechs Meter gelegen und die Stärke des Mauerwerkes knapp einen Meter betragen haben. Mauerkronen und Türme waren mit Zinnen ausgestattet. Angepasst an die topografischen Gegebenheiten des Geländes verläuft der weitaus längste Teil der Stadtmauer halbkreisförmig südlich um den Berg.
Militärisch aufgewertet wurde die Mauer durch zwei 15 Meter hohe Rundtürme mit sechs Metern Durchmesser. Einer ist noch erkennbar: Er ist in die Außenwand der Scheune Scheffer integriert.
Wer in die Stadt hinein wollte, musste eines der drei bewachten Stadttore passieren. Die Untergasse, die innerstädtisch von Untertor und Obertor begrenzt wurde, war schon zu mittelalterlichen Zeiten als Teil des Sälzer Weges Felsbergs Hauptverkehrsstraße.
Ein Bild von 1842 stellt ist die Situation am Untertor dar: Für die Stadtwache gab es ein Wachgebäude, ein Turm diente als Gefängnis. Im Oberstock des Turmes soll der Gefangenenwärter gewohnt haben.
Das Obertor wurde 1623 gebaut und 1699 aufgestockt. Es diente städtischen Bediensteten wie Wache und Feldschütz als Wohnung. Das Obertor soll noch 1825 verschließbar gewesen sein. Das dritte Tor – ob es Haintor hieß, muss bezweifelt werden – befand sich am jetzigen Kindergarten. Historisch verbürgt ist der Name „Hinterm Hagen“. Es war die kürzeste Verbindung zu dem vor der Stadt gelegenen Marienkloster und gleichzeitig Ausfallstraße nach Kassel. Tore und Türme wurden vor 1850 abgebrochen.
Stärksten Zerstörungen war die Stadtmauer im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) und im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) ausgesetzt.
Von Hans Poth