Architekturzeichnungen von Moritz dem Gelehrten über Felsberg

Hans Poth
Nur wenige Regenten verkörperten in der deutschen Geschichte das Idealbild eines Renaissancefürsten so sehr wie Moritz, der Gelehrte, Landgraf von Hessen-Kassel Als „uomo universale“, der umfassend wissenschaftlich gebildete Mensch, förderte er innovative Entwicklungen in den Naturwissenschaften wie Botanik, Alchemie und Astronomie. Bei den Geisteswissenschaften pflegte er an seinem Hof besonders Musik, Theater, Literatur, Fremdsprachen und Pädagogik. Zu fast allen bedeutsamen Herrschern des mitteleuropäischen Raumes unterhielt er kulturelle Kontakte.

Besonderheiten seiner Zeichnungen
Zahlreiche Bauwerke rund um Kassel aus dem beginnenden 17. Jahrhundert gehen in Planung und Ausführung auf ihn zurück. Landgraf Moritz dürfte Stadt und Umgebung von Felsberg gut gekannt haben, nutzte er doch die ehemalige Kartause als Jagdschloss sowie den Vorgängerbau des heutigen Mittelhofs als Landsitz.
Nach seinem Rücktritt widmete sich Moritz ab 1627 intensiv der Architekturmalerei. In Stil und Form praktizierte er die Art der Darstellung wie sie im 16. und 17. Jahrhundert üblich war. Die Zeichnungen vereinigen gezielt die Vorteile eines Schaubildes mit denen eines Lageplanes. Grundriss und Häusergewirr können sich dabei durchaus überschneiden. Mit der Vogelschau bedient er sich einer Sicht aus erhöhtem Blickwinkel. Hausgruppen sowie die in der Realität engen und winkligen Gassen erscheinen mit seiner Technik perspektivisch weiträumig.

Nicht immer entsprechen die Zeichnungen einem echten Abbild der Realität. Schließlich flossen in die Darstellungen häufig Ideen zu Um- und Ausbau ein. Offen bleibt auch, ob die Zeichnungen vor Ort oder aus dem Gedächtnis angefertigt wurden.

 Moritz der Gelehrte 
Landgraf Moritz der Gelehrte

Ansichten von Stadt und Burg
Von seinem Altersruhesitz im Schloss Melsungen fand Moritz den Weg öfter in das Edertal. Insgesamt sind 456 Einzelskizzen zumeist aus der Region überliefert. Davon widmete er 18 Darstellungen Felsberger Gebäuden, teilweise entwickelt er sogar ganze Straßenfluchten.

Strassenflucht
Häuserfront am Obertor: Rentamt und Vorläufer des heutigen Pfarrhauses

Vermutlich sind sie alle zusammenhängend im Sommer 1627 entstanden. Sie zeigen realistische Ansichten zu Burg und Stadt und zählen zu den ältesten Abbildungen des Ederstädtchens überhaupt. Da gibt es eine Ansicht zur Stadt und Burg aus der südlichen Richtung sowie die Burg im Grundriss, die Rückschlüsse auf den Gebäudezustand und die Ausstattung der gesamten Wehranlage zulassen.

Felsberg
Stadt und Burg vom Süden
Fotos: Hans Poth

Vom Renthof existieren ein Lageplan sowie ein Grundriss. Eine weitere Skizze zeigt die ehemalige bauliche Gestaltung des Geländes rund um den Deutschordenshof und das Pfarrhaus. Gleich mehrere Zeichnungen befassen sich mit der Bebauung am Obertor. Neben dem eigentlichen Stadttor sowie dessen Integration in die Stadtmauer zeigt eine Darstellung Größe und die Ausgestaltung eines vor der Stadtmauer gelegenen Schafhofs.

Von dem Vorläufer des heutigen Herrenhauses am Mittelhof fertigte Moritz samt Wirtschaftsgebäude fünf Zeichnungen an. Darin sind sogar technische Abmaße einschließlich entstehender Kosten aufgeführt. Auch von der Kartause sind Zeichnungen überliefert, in denen neben Gebäuden ein “Velsberger Thor“  und ein „Melsunger Thor“ dargestellt sind.

Zeichnungen in Bibliothek
Die Architekturzeichnungen sind in der Universitätsbibliothek, Kassel deponiert und wissenschaftlich von Dr. Ulrike Hanschke katalogisiert und ausgewertet worden. Weitere Informationen über die lokalhistorisch bedeutenden Quellen sind über die zuständige Internetverbindung http://www.ub.uni-kassel.de abrufbar.