Felsberger Kirchen einst und jetzt

Hans Poth

Die christliche Kirche und mit ihr verbundene Einrichtungen prägten die Geschichte der Stadt Felsberg über mehrere Jahrhunderte ganz entscheidend. Zwischen 1090 und 1640 gab es immerhin fünf Kirchen in dem Ederstädtchen. Manche sind längst zerstört oder verfallen, manche erfüllen bis heute noch  ihren ursprünglichen Zweck. In jedem Fall unterstrichen sie die regionale Bedeutung Felsbergs auf politischer und kirchlicher Ebene. Die Gebäude erzählen ein Stück Stadtgeschichte.

Die Burgkapelle thront über der Stadt
Ältestes kirchliches Gebäude war die gegen Ende des 11. Jahrhunderts mit der Burganlage gemeinsam erbaute Burg-Kapelle, die in die Festung integriert war und Teil des geschlossenen Systems bildete. Sie war  dem christlichen Märtyrer St. Pankratius geweiht. Noch heute zeigt sie typische Bauelemente der Romanik: schmuckloses Innere, Tonnengewölbe sowie eine halbrunde Apsis. Lange Zeit diente sie den Grafen von Felsberg als Familienkapelle und später diente sie den hessischen Landgrafen bei ihren Felsberger Aufenthalten, darunter Landgräfin Anna und Landgraf Philipp, als Gotteshaus.

Der Alchemist Claus von Urbach hatte von1453 bis 1455 mit seiner ganzen Familie einschließlich Gesinde sogar seinen Wohnsitz hier. Pulvermagazin und Aufbewahrungsort von einfachen Waffen war sie von 1546 bis 1848.

Heute dient die Burgkapelle dem städtischen Standesamt als Trauraum und ist mit ihrer schlichten Form und Ausstattung fast im Originalzustand des Mittelalters erhalten. Schießscharten und Luftschlitze verraten den wehrhaften Charakter der Kapelle. Gemeinsam mit der ganzen Burg ist sie ein attraktives Ausflugsziel für ganz Nordhessen. Fachwissenschaftler schätzen sie wegen ihres Alters und ihrer Bausubstanz, an der 1000 Jahre lang nichts geändert wurde.

 

Ehemalige Jakobskapelle, heute Friedhofskapelle der Kernstadt
Etwas versteckt liegt die als Friedhofskirche und Beerdigungsraum dienende Jakobskapelle, deren Entstehung auf 1230 datiert wird. Es ist im Kern ein romanischer Rechteckbau, dem im 16. Jahrhundert im Chor spätgotische Maßwerkfenster eingesetzt wurden. Ein weiter Triumphbogen teilt den Innenraum in Halle und Chor. 1247 vermachten Herzog Heinrich von Lothringen und Brabant und seine Gemahlin Sophie die Jakobskapelle dem Deutschen Orden in Marburg, ein  politischer Schachzug mit weitreichender Bedeutung.

Im Kampf um die politische und militärische Vorherrschaft in Niederhessen verfolgten das Landgrafenhaus Hessen und der einflussreiche Deutsche Orden gemeinsam Ziele, die sich gegen das zum Erzbistum Mainz gehörende Fritzlar richteten. 1258 übte der Orden das Patronatsrecht vom Haupthaus in Marburg  über die Kirche in Felsberg aus und besetzte die Pfarrei mit einem Ordensbruder aus dem geistlichen Stand. Mit einer festen Niederlassung am Standort wurde ein Ordenshof eingerichtet, der als Hebestelle für Naturalabgaben und Zinsverpflichtungen diente. Ab 1386 lässt sich neben dem Pfarrer auch ein Komtur nachweisen. Das Hospital St. Valentin wurde direkt nebenan 1360 als „mildtätige Stiftung“ errichtet.

Hauskapelle des deutschen Ritterordens

Im Grundriß zuletzt noch ca. 8m mal 6 m dürfte das Gebäude nur als sogenannte Hauskapelle den Bediensteten des deutschen Ritterordens vorbehalten gewesen sein. Sie befand sich unterhalb des Bessenhofs, parallel zur Ritterstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zu weiteren n Häusern der Kirche.
Der vielfach veränderte Bau stammte aus dem 13.Jahrhundert und besaß ein für die Zeit typisches gotisches Doppelfenster. Heute sind nach dem Rückbau im 19. Jahrhundert einzelne Reste des Gemäuers in die Anlage des Pfarrhofs integriert. Als ausdrucksvolles Detail blieb das gotische Portal erhalten.

 

Marienkapelle

Die Marienkapelle lag im östlichen Teil der Stadt und wurde auch
„Kirche hinter dem Hag“ genannt. Die Kirche war mit einem Nonnenkloster verbunden, das 1543 von Landgraf Philipp im Rahmen der Säkularisation aufgelöst wurde. Als 1640 dem großen Stadtbrand zahlreiche Häuser zum Opfer fielen, wurden auch  das ehemalige Klostergebäude mit Eß-,Arbeits- und Schlafräume einschließlich Stallungen zerstört. Der ehemalige Gemarkungsname und später die heutige Straßenbezeichnung „Im Kirchgarten“ erinnern noch an die einstige Existenz von Kirche und Kloster.

Die evangelische Stadtpfarrkirche Nikolai

Mit der Felsburg und dem alten Rathaus zählt die evangelische Pfarrkirche in exponierter Lage zu den markanten stadtbildprägenden Gebäuden der Altstadt. Als vormals St. Nikolaus wurde sie in herausragender Stellung hochwassergeschützt über hohen Stützmauern 1320 erbaut. Sie war den Flußschiffern und Kaufleuten geweiht. Die relativ große Ausmaße des Gebäudes lassen auf zahlreiche Übernachtungsgäste wie Händler, Kaufleute und durch-reisende Handwerker schließen, die als fromme Zeitgenossen auch unterwegs ihrem Glauben nachkamen.

Bereits 1320 gingen sämtliche Rechte der Jakobskapelle auf die Stadtpfarr-Kirche St. Nikolaus über. Insgesamt wirkt die Kirche recht wuchtig für die mittelalterliche Kleinstadt Hier führte Pfarrer Johannes Sensenschmidt 1528 die Reformation in Felsberg ein. Vom Deutschen Orden wurde er als „verlaufener, abtrünniger, apostatierter Ordenspfaffe“ beschrieben. Die Zäsur erfolgte einschließlich Umwidmung des Kirchengutes reibungslos. Dabei erhielten die Landgrafen die geistliche Gerichtsbarkeit und die bischöfliche Gewalt, außerdem entstand als Kontrollinstanz das Amt des Metropolitans und des Superintendenten.
Gekennzeichnet wird das Gebäude durch eine aus dem 19.Jahrhundert Turm mit seiner markanten Haube. Das niedrige mehrfach veränderte Kirchenschiff und einem Chor aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bekam seine heutige Form nach dem Stadtbrand von 1640. Spätgotische Elemente sind im Chor mit 5/8 Schluß und Maßwerkfenstern zu erkennen. Im Turmerdgeschoß ist auf Eckdiensten ein Kreuzrippengewölbe angebracht. Das Innere wirkt nüchtern und orientiert sich auch heute noch stark an der Reformation.