Spuren des Deutschen Ordens in Felsberg

Hans Poth

Der Deutsche Orden entstand auf dem Höhepunkt der europäischen Kreuzzugsbewegung gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Ausgangspunkt war ein von christlichen Idealen geprägtes Weltbild der Ritter, das seine Ziele zunächst in der Verbreitung des Christentums und in der Befreiung von Palästina sah. Spätere territoriale und damit verbundene machtpolitische Interessen wandten sich  bei der Errichtung eines Ordensstaates insbesondere in den Regionen des nördlichen Osteuropas gegen die preußisch-baltische Bevölkerung und gegen ein aufstrebendes Polen. Die Verbreitung der christlichen Kultur führte in Auseinandersetzung mit Einheimischen zu  umfangreichen kriegerischen Konflikten, die nur schwer zu finanzieren waren. Zur Umsetzung dieser kostspieligen Pläne des Ordens wurde durch die weit in Mitteleuropa verbreitete Organisation Geld erwirtschaftet. Wie das ablief lässt sich am Beispiel von Felsberg als  einem der ältesten ordensangehörigen  Orte in Hessen nachweisen.  Über Jahrhunderte gab es hier eine enge Verflechtung von Ordens- und Stadtgeschichte.
 
Felsberg im Schutz der Landgrafen von Hessen und des Deutschen Ordens
Nach der Burg ist die Jakobskapelle in Felsberg das ältestes Gebäude. Der schlichte, romanisch-frühgotische Bau in der Lohrer Straße wird heute als Friedhofs- und Beerdigungskapelle genutzt. Bei der ersten urkundlichen Erwähnung 1247 kam ihr gleich eine  hohe politische Bedeutung zu. Vermutlich 1230 erbaut, ging sie als Schenkung von Herzog Heinrich von Lothringen und Brabant sowie seiner Gattin Sophie, Stammmutter des Hauses Hessen, an den Deutschen Orden über.

Durch dieses taktisch geschickte Handeln hatte sich das hessische Landgrafenhaus gut positioniert beim Kampf um die territoriale Vorherrschaft im Großraum zwischen Kassel und Marburg. Mit dem stauffischen Kaiserhaus und dem Deutschen Orden  im Bund ließen sich verschiedene Machtansprüche  realisieren. Zusätzlich stabile politische Verhältnisse  entstanden für Felsberg, als die Siedlung von den Grafen von Felsberg in landgräflichen Besitz und Schutz überging.  Dass  die Siedlung bereits 1286 als Stadt urkundlich nachgewiesen werden kann, bezeugt ihre wachsende politisch-militärische Bedeutung für Hessen  in Gegnerschaft zum mainzischen Fritzlar.

Straffe Verwaltung des Ordens
Die Felsberger Niederlassung des Ordens war der Ballei (Provinz) Hessen mit Sitz in Marburg zugeordnet. Ab 1386 vergrößerte sie sich sogar zu einer Kommende, eine lokale Verwaltungseinrichtung mit Zentralisierungsaufgaben, die personell ebenfalls von Marburg aus versorgt wurde. Von dort  übte man auch das Patronatsrecht über die Stadtkirche aus und besetzte die Pfarrstelle bis zur Einführung der Reformation in Felsberg 1526 mit einem Ordensbruder geistlichen Standes.

Äußeres Zeichen einer straffen Verwaltung war ein auf dem heutigen Pfarrplatz erbauter Wirtschaftshof .  Das langgestreckte doppelte Fachwerkgebäude bestand aus einem Verwaltungs- sowie einem Lagerteil  und wurde erst 1965 abgerissen. Ursprünglich war die Scheune  Hebestelle für die Natural- und Zinsabgaben aus Ordensbesitzungen des Umlandes. Landwirtschaftliche Produkte kamen auf städtischen Märkten zum Verkauf. Eingehende Finanzmittel flossen über Marburg in den Ordensstaat. Im Zug hochmittelalterlicher Wirtschaft zog die Stadt als Umschlagplatz auch Handwerker an und mit zunehmendem Wohlstand erlangte sie regionale Bedeutung.

Gute Werke von frommen Menschen
Zwischen  1275 bis 1339 gingen zahlreiche Grundstücke in Felsberg und Umgebung in den Ordensbesitz über. So verkaufte  Ritter Werner von Besse zwei Hufen Land an den Orden; der Vorgang wird bestätigt von Ritter Eckard von Felsberg, dem Edelknecht Dietmar von Bodegeren sowie Herrn Wideroldus von Wolfershusen. Ritter Hermann von Felsberg verkaufte Güter seines Besitzes aus Gleichen und Besse.

Die Motivation, der Kirche Land zu vermachen, ob preisgünstig verkauft oder gar verschenkt, lag im Glauben des mittelalterlichen Menschen: Wer im Diesseits gute Werke im Sinne der Kirche vollbrachte, entging den Höllenqualen im Jenseits.

Unterlagen zu einer 1546 vom Haupthaus Marburg durchgeführte Revision in der Kommende Felsberg bezeugen das kärgliche Leben des Verwalters und beweisen gleichzeitig das im hohen Maße praktizierte  Profitdenken des Ordens.

Der Deutsche Orden heute
Der Deutsche Orden hielt sich in Felsberg bis 1809. Bei der Umsetzung der Reformen Napoleons wurden die Grundstücke eingezogen und  im Auftrag des Königreichs Westfalen verkauft.

In Bayern und Österreich besteht der Deutsche Orden noch heute; man engagiert sich als Träger von Pflegeeinrichtungen. In Wien gibt es ein Museum, in dem ausführlich die Geschichte des Ordens dokumentiert ist und sogar Unterlagen von Felsberg ausgestellt sind.

Deutschordenscheune

In der Bildmitte die Scheune des Deutschen Ordens, im Vordergrund das Dach des Bessenhofs, rechts die Apotheke.
Das Foto entstammt dem Stadtarchiv Felsberg.