Chronologie der Felsburg

Hans Poth

Der Basaltkegel des späteren Burgberges dürfte bereits zur chattischen Zeit zwischen 300-600 n. Chr. befestigt gewesen sein. Die damals aus Holz bestehende Burganlage diente zum Schutz der alten Salzhandelsstraße und zur militärischen Beherrschung des Edertales.

Im 9. Jahrhundert befand sich vermutlich im Edertal der Sitz einer Grafschaft des karolingischen Niederadels.

Ab dem 10. Jahrhundert könnte die Burg bereits Mittelpunkt einer Grafschaft und Sitz der Grafen von Felsberg gewesen sein.

1060 werden die Grafen von Felsberg, sie stammen aus der Meginsippe, erstmals urkundlich erwähnt.

Die Grafen von Felsberg und später die Landgrafen von Hessen befinden sich seit der Errichtung der Gegenburg Heiligenberg 1185 durch die Kurfürsten von Mainz bis 1427 im kriegerischen Dauerkonflikt. Von der Felsburg als Ausgangspunkt und von der Stadt Fritzlar werden Angriffe gestartet.

1230 erfolgt eine Stiftung eines Altars in der Burgkapelle durch zwei Geistliche aus der Felsberger Familie Sydenbein

Die Felsberger Grafen erscheinen zwischen 1100- 1235 in verschiedenen Urkunden als Siegler und Zeugen. Dabei geht es um Verkäufe und Schenkungen zumeist von Ländereien und Rechten.

Die  Grafschaft Felsberg geht friedlich 1238 an das Haus der Landgrafen von Thüringen.

Burg und Grafschaft fallen 1247 an das Haus Hessen-Brabant.

Ab 1247 wird die Burg von Burgmannen verwaltet, die von den hessischen Landgrafen eingesetzt werden. Es handelt sich dabei um Vertreter aus dem Niederadel, darunter die Familien Linne, Lugelin, Hebel, Boineburg sowie insbesondere Felsberg und Besse. Als landgräfliche Amtsleute hatten sie Verwaltungsaufgaben zu erfüllen, die ihnen mit der Einräumung verschiedener Privilegien vergolten wurden.

Graf Berthold der Ältere von Felsberg vermacht 1253 seine restlichen Besitzungen, vorwiegend Ländereien, dem Kloster Breitenau bei Guxhagen.

Seit 1286 ist das Grafengeschlecht von Felsberg urkundlich nicht mehr nachweisbar.

Von 1333- 1389 wird eine maßgebliche Verstärkung der Felsburg insbesondere durch Landgraf Heinrich II. vorgenommen. Der ehemalige ältere Kernburgteil wird ergänzt durch den Neubau des Zwingers, des Torturmes sowie durch die  Errichtung des gotischen Portals mit Torhaus, dessen Treppenstufen von Innen noch heute erkennbar sind. Mit der Verstärkung der Nordmauer und dem Ausbau des oberen Turmteiles erreicht die Felsburg nahezu ihre charakteristische Form in Umriss und Ausstattung.

Landgraf Ludwig I. von Hessen führt mehrere Kriegszüge 1427 von der Felsburg aus gegen den in Mainzer Diensten stehenden Graf Gottfried von Leiningen durch. Dabei werden die Gemarkungen von Felsberg und Gudensberg stark verwüstet. Von der Felsburg wird auch die entscheidende Schlacht eingeleitet, die mit einem Sieg von Hessen über Mainz bei Englis endet. Die territorialen Ansprüche werden in gegenseitigem Einvernehmen geregelt.

Die Felsburg mit Stadt wird 1453 Witwensitz  für Mechthild von Württemberg, der Gemahlin Ludwig II.

Von 1453-1455 lebt der Alchemist Claus von Urbach mit seiner Familie auf der Burg mit dem landgräflichen Auftrag Gold zu erfinden. Als dies nicht gelingt, wird von Urbach von der Felsburg und des Landes verwiesen.

In einer Gesindeaufstellung zur Burg von 1455 werden aufgelistet: Schreiber, Koch, Kellner, Pförtner, Eselstreiber sowie Knechte und Mägde

Die Burgmannenfamilie Felsberg stirbt 1486 aus.

Der Stadt-Schultheiß bestellt 1501 Ziegel für Dächer auf der Felsburg.

Stadt und Burg werden von 1511 – 1514 Witwensitz der Landgräfin Anna, der Mutter Philips des Großmütigen. Hier befindet sich zeitweise ihr Wohnsitz und sie  initiiert politische Entscheidungen.

Landgräfin Anna hält in Felsberg 1514 einen Landtag auf der Burg und in der Stadt ab. Dabei versucht sie mit Unterstützung der hessischen Landstände gegen ihren Widersacher Ludwig von Boyneburg vorzugehen, um für Landgraf Philip Regentschaft und Macht zu sichern.

Ab 1515 ist die Burg nicht mehr durchgehend bewohnt. Militärisch bleibt sie noch Stützpunkt.

Die Burgkapelle wird auf Anordnung von Landgraf Philip dem Großmütigen 1544 zu einem Pulvermagazin umgebaut. Damals werden die heute noch vorhandenen Längsschlitze eingebaut

Der Verlauf des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wirkt sich auf Burg und Stadt mit verheerenden Folgen aus. Unter Moritz dem Gelehrten wird Ende 1626 ein hessischer nicht Landtag abgehalten, der wegen mangelhafter Unterstützung durch die Landstände zur Abdankung des Regenten führt.

Das Turmverlies dient 1637 einigen Bürgern der Stadt als Zuflucht vor den kaiserlichen Soldaten, die Felsberg verwüsten.

Am stärksten werden Burg und Stadt 1640 zerstört. Insbesondere ein großer Brand bei der Erstürmung der Stadt durch die kaiserlichen Feldherrn von Pappenheim und Lamboy vernichtet zahlreiche Häuser sowie das nord-östlich vom Zentrum gelegene Nonnenkloster mit der Marienkapelle.

Auch durch den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wird die Burg stark zerstört. Vom Eingangsportal, dem Wehrgang an der Zwingermauer, dem Fachwerk-Überbau am Eingang zur Kernburg sowie den Wirtschaftsgebäuden bleibt nichts mehr bestehen oder nur noch die Ruinen der Burg der heutigen Umrissformen.

Franzosen besetzen 1761 die Burg. Felsberger Bürger müssen Schanzdienste leisten, einzelne Teile werden festungsartig ausgebaut und modernen Kriegstechniken angepasst. Das am Nord-Osthang gelegene Rondell wird zum Stellplatz für Kanonen. Die Breyhenne wird als Teil der Festung mit Niederwall ausgebaut.

Von der Gudensberger Höhe wird die Burg 1762 stark beschossen. Major von Linsingen erstürmt mit hessischen Truppen die Burg und befreit sie von französischen Besetzern.

Ein Felsberger Bürger stellt 1789 beim Landgraf den Antrag auf Abriss des beschädigten Bergfriedes. Der Bürger meldet Bedarf an Steinen für den Bau seines Hauses an. Glücklicher Weise wird sein Antrag abgelehnt, sonst würde das Wahrzeichen der Stadt Felsberg  heute mehr existieren.

Durch Blitzeinschlag wird 1796 der Turm beschädigt.

Das immer noch in der Burgkapelle gelagerte Pulver wird 1846 in das Zeughaus nach Kassel gebracht.

Die gesamte Burganlage wird 1866 Eigentum der Provinz Hessen-Nassau, in Rechtsnachfolge gehört sie heute dem Bundesland Hessen.

 Erste Sanierungsmaßnahmen nach dem II. Weltkrieg finden ab 1950 statt.

Ein 1952 geplanter Verkauf der Felsburg an ein Unternehmen wird nur nach stärksten Protesten durch den Burgverein verhindert.

Eine allumfassende Generalsanierung erfolgt zwischen 1989-2005.

Der Burgverein ist seit 1907 Pächter und somit für die  Erhaltung und Pflege der Burg einschließlich des gesamten Burgberges verantwortlich. Zuständig als Landesbehörde war bis 2005 die staatliche Verwaltung hessischer Schlösser und Gärten, heute fällt die Burg in den Verantwortungsbereich des Baumanagements des Landes Hessen.