Diskussionen am Tag des offenen Denkmals:

Der weiße Spargel - Warum der Turm der Felsburg verputzt wurde

Von Manfred Schaake
Erfolg für den Burgverein Felsberg: Dank des guten Wetters kamen über 600 Besucher zum Tag des offenen Denkmals auf die Felsburg. “Eine sensationelle Resonanz”, sagte Kulturwart Hans Poth. Das sei ein Kompliment für die gute Arbeit des Burgvereins. Über 100 Besucher nahmen an zwei Führungen teil.
Das Thema Farbe im Denkmal erwies sich als Publikumsmagnet – auch wegen der umstrittenen  Farbe des Burgturms. Viele nannten ihn den weißen Spargel oder den Leuchtturm im Edertal. Der 30 Meter hohe Bergfried des staatseigenen Baudenkmals Felsburg war im Zuge der Sanierung verputzt worden. Die von den Denkmalpflegern gewählte Farbe ist nicht jedermanns Geschmack. Und das war auch Thema beim Tag des offenen Denkmals. Besucher fragen immer wieder, warum der Turm verputzt ist.
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten am Bergfried wurde natürlich sofort gemeckert. “Sieht ja furchtbar aus, wie ein Silo.” So oder so ähnlich wurde über den Turm gelästert, nachdem Ende 1992 die Gerüst-Hüllen gefallen waren. Mehr als drei Jahre hatten die Bausanierer den wegen seiner Form so genannten Butterfassturm fest im Griff. Der ist aber keinesfalls weiß getüncht, wie einmal in der Zeitung zu lesen war. Nein, das historische Gemäuer aus Sand- und Basaltstein ist verputzt. In den Farben des damals verwendeten Kalkmörtels. Weiß war er nie. Schwefel und andere Umwelteinflüsse hatten den Mörtel und den im oberen Bereich verwendeten Sandstein schwer geschädigt. Allein im oberen Teil rieselten jedes Jahr mehrere Schubkarrenladungen herunter. Das sah aus wie gelber Wüstensand.
Verputzen – das war das eindeutige Urteil der Fachleute. Sie sahen und sehen darin den besten Schutz. Nachdem die HNA darüber berichtet hatte, wurde viel gemeckert. Allerdings nur am Stammtisch in der Kneipe und im Zahnarztstuhl des damaligen Burgvereinsvorsitzenden Dr. Bernd Ruhl. Doch die mehrfach angedrohte Bürgerinitiative gegen das Verputzen gab es nicht, und auch keinen Leserbrief in der HNA.
Der damalige Vorstand des Burgvereins – seit 1885 Partner des Staates – war sich stets einig: “Der Burgverein meckert nicht. Er ist froh, dass der Turm und die Burg endlich saniert werden, und er hat volles Vertrauen in die Fachleute, zumal weite Bereiche der Anlage einsturzgefährdet sind.” Jede Initiative gegen das Verputzen hätte die Sanierung um weitere Jahre zurück geworfen. Dr. Ruhl: “Auf die Farbe hatten wir keinen Einfluss.”
Nach Abschluss der Sanierung, die für die Gesamtanlage 18 Jahre dauerte, hofft der Burgverein, dass das Turm für mindestens 100 Jahre gesichert ist. Im oberen Teil waren vor dem Verputzen alle schadhaften Stellen bis ins letzte Detail mit Sandstein-Ersatz ausgebessert worden – Denkmalschutz in höchster Vollendung.  
Wie die Orangerie und das Schloss
Über die Farbe des Felsburgturms haben die Experten lange beraten. Immerhin zwei Jahre hat es gedauert, bis sich die Fachleute über den Farbton einig waren. Seit 1992 ist die Farbe nun schon viel dunkler geworden. Die Luftverschmutzung hat auch hier deutliche Spuren hinterlassen. Und doch: Zusammen mit dem Mauerwerk und dem hellen Kalkmörtel ergibt sich ein schönes Gesamtbild. Bei Sonnenschein nachmittags ein Blick von der Birkenallee oder von der Wiese auf die Burg – eine Augenweide. Das äußern Besucher immer wieder. Übrigens: In der Farbe des Turms sind zum Beispiel die Orangerie in Kassel und das Museum Fridericianum verputzt. Und auch das Landgrafenschloss in Rotenburg hat diesen Farbton
Wahrzeichen der Heimat
Viel Lob, Dank und Anerkennung gab es beim Tag des offenen Denkmals für die Arbeit des Burgvereins. Jedes Jahr leisten die Mitglieder des Arbeitskreises unter der engagierten Leitung seines Vorsitzenden, Arbeitswart Erik Herzog, zwischen 1000 und 1300 Arbeitsstunden. Herzog nutzte den Tag des Denkmals, neue Mitglieder zu werben: “Das ist eine dankbare Aufgabe für rüstige Menschen, die sich ihrer Heimat verpflichtet fühlen.” Herzog zitiert immer wieder die Inschrift des Granit-Steins über dem Aufgang zum Burgturm:
“Wahrzeichen der Heimat – seine Erhaltung, unsere Verpflichtung.”
Emil Kördel, von 1948 bis 1965 Vorsitzender des Burgvereins und Großvater des heutigen Vorsitzenden, Horst Fenge, hat diesen Stein anbringen lassen. Zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Ernst Schaake legte Kördel nach dem letzten Weltkrieg den Grundstein für den Erhalt der einsturzgefährdeten Felsburg.
Kontakt: Erik Herzog, Telefon 0173/6356849.

Animation offenes Denkmal