Riegel wie im Mittelalter - Ehemaliger Sperrbalken am Felsburg-Tor rekonstruiert

Mittelalterliche Geschichte zum Anfassen: Am Haupteingangstor der Felsburg wurde der frühere Sperrbalken auf der Innenseite rekonstruiert. Der 1,40 Meter lange Riegel ist ein 450 Jahre alter Eichenbalken von einer ehemaligen Scheune in Andernach. Der Balken ist ein Geschenk von Lutz Euler und Kirsten Harms.
Von Manfred Schaake

„Die Felsburg ist um eine Attraktion reicher”, freut sich Hans Poth, der Kulturwart des Burgvereins, mit dem gesamten Vorstand: Am Haupteingang der 1000 Jahre alten Felsburg ist jetzt wieder der hölzerne Sperrbalken zu bewundern, der einst das Tor sicherte. Zu verdanken hat man dieses Geschenk dem Dachdecker-und Zimmerermeister Lutz Euler aus Butzbach, der Diplom-Restauratorin Kirsten Harms aus der Pfalz und Architektin Dr. Katarina Papajanni. Sie ist bei der für die Felsburg zuständigen Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen im Fachgebiet Bauangelegenheiten und Denkmalpflege zuständig.
Bei der großen Felsburg-Sanierung zwischen 1987 und 2005 war aus Versehen das Loch am Haupteingang der Burg zugemauert worden, in das früher von innen der Sperrbalken eingeführt wurde. Harms, die  vorigen Sommer vier Monate lang dringend notwendige Arbeiten zur Sicherung der Bausubstanz ausführte,  öffnete das Loch fachmännisch, und gemeinsam kam man auf die Idee, den Balken zu rekonstruieren. Harms und Lutz Euler verwirklichten den Plan und schenkten dem Burgverein die neue Verriegelung nach historischem Vorbild. Der 1,40 Meter lange Sperrbalken ist ein Eichenstück von einer abgerissenen Scheune in Andernach bei Koblenz. Bei Euler werden alte Balken gehütet wie ein Schatz, weil sie bei Restaurierungsarbeiten wieder verwendet werden.
„Neben der Burg Friedberg ist die Felsburg die einzige Burg in Hessen mit Sperrbalken”, sagt der Heimathistoriker Hans Poth. Er führt jedes Jahr zwischen 600 und 800 Gäste in Felsberg und ist nun glücklich darüber, den Besuchern die Funktion des Sperrbalkens realistisch vorführen zu können: „Der macht dem Besucher das Leben auf der Burg anschaulicher. Frei von falscher Romantik wird die Burg damit noch mehr als Wehr- und Wohnarchitektur des Mittelalters begriffen.”
Die Mauern rund um das Tor stammen aus der Zeit zwischen 1330 und 1390. Sie entstanden im Zuge der militärischen Aufrüstung der Felsburg beim Kampf zwischen der Landgrafenschaft Hessen und dem Erzbistum Mainz. Die Hessischen Landgrafen waren als Eigentümer die Nachfolger der Grafen von Felsberg. Letztere ließen die Burg erbauen und starben um 1250 aus.
Sie sorgen aber heute noch für ein großes Arbeitsbeschaffungsprogramm für die Bausanierer und Denkmalpfleger. Nach Investitionen von mehr als 2,5 Millionen Euro gab es immer wieder neue Schäden, und ab 2017 sah auch das Ministerium für Wissenschaft und Kunst dringenden Handlungsbedarf. Horst Fenge, Vorsitzender des 640 Mitglieder zählenden Burgvereins: „2017 hat sich viel getan zum Erhalt des Denkmals. Der Sperrbalken als Geschenk von Lutz Euler und Kirsten Harms ist das Tüpfelchen auf dem i.” Architektin Dr. Papajanni zur Bautätigkeit: „Es läuft alles, und 2018 machen wir weiter.”

Sperrbalken schützte auch vor lichtscheuem Gesindel
In Friedenszeiten war die Burg von Beginn des Tages bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet und für Bedienstete, Handwerker, landgräfliche Verwaltungsvetreter, Familie und Freunde frei zugänglich, erläutert Hans Poth, Kulturwart des Burgvereins und Stadtführer. Der Sperrriegel hinter dem Eingangstor war auf einer Holzschiene komplett in eine Maueröffnung eingeschoben. Poth: „Nachts war das Tor geschlossen, um sich vor lichtscheuem Gesindel zu schützen.” Die Burg war natürlich auch bewacht.
In Kriegszeiten sollte die Burg am Portal durch eine starke Bohlentür geschützt werden, die laut Poth mit Eisenbeschlägen zusätzlich in sich stabilisiert war. Durch einen oder sogar zwei waagerecht verlaufende Sperrbalken auf der Innenseite war eine weitere Sicherung eingebaut. Poth: „An dieser Stelle war die Burg nur schwer zu erobern. Dennoch konnte der Aufbruch nie verhindert, höchstes verzögert werden. Durch Feuer oder Sprengpulver ließ sich auch die dickste Holztür überwinden.” Eine Vorrichtung für einen Sperrbalken hab es auch am zweiten Eingang, dem Eselspfad-Tor.
Schutzeinrichtungen mittelalterlicher Burgen waren auch ein Falltor und eine Zugbrücke, die es – so Poth – laut einer Reparaturliste früherer Handwerker auch an der Felsburg gegeben haben soll. (m.s.)

Burg eine Touristenattraktion
Die Felsburg ist alle Jahre wieder eine Attraktion für Heimatfreunde aus der Region und Touristen. Von Ostern bis Ende Oktober ist die Burg an allen Sonn- und Feiertagen ab 13 Uhr geöffnet. Im Jahr kommen einschließlich der standesamtlichen Hochzeiten bis zu 2000 Besucher. Seit seiner Gründung 1885 betreut der Burgverein das staatseigene Baudenkmal. Jedes Jahr werden bis zu 1500 Arbeitsstunden ehrenamtlich geleistet. Der Verein ist Träger des Hessischen Denkmalschutzpreises und des nach dem früheren HNA-Verleger benannten Paul-Dierichs-Preises für vorbildliches ehrenamtliches Engagement. (m.s.)

Sperrbalken 01
Freuen sich über den neuen Sperrbalken nach altem Vorbild: Von links Burgvereinsvorsitzender Horst Fenge, Stellvertreter Georg von Vogt, Burgwart Erich Majeske und Kulturwart Hans Poth am Haupteingang. Fotos: Schaake

Sperrbalken

 

Der Sperrbalken von innen: Damit er nicht im Wege steht, wenn das offen ist, wird er in den längs in die Mauer eingelassenen Sperrbalkenkanal zurückgeschoben. Zur besseren Gleitfähigkeit ist er mit Holz ausgefuttert.

Sperrbalken

Fachmännisch geöffnet: Das Loch für den Sperrbalken. Es war zugemauert worden.

Sperrbalken 04


Diplom-Restauratorin Kirsten Harms.


Bilder: Manfred Schaake