Gefahr für gotische Fenster Schäden an Felsburg - Landesregierung sieht keinen Handlungsbedarf Juni 2016
Von Manfred Schaake
Der mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnete Burgverein Felsberg betreut seit 1885 die staatseigene Felsburg. Nachdem nach der großen Instandsetzung für 2,5 Millionen Euro erneut Schäden an den Mauern aufgetreten waren, hatte die Schlösser- und Gärtenverwaltung Hoffnungen geweckt, diese zu beseitigen. Jetzt erhielt der SPD-Landtagsabgeordnete Günter Rudolph eine Absage des Ministeriums.
Schlechte Nachricht für Felsberg: Trotz Schäden am Mauerwerk der Felsburg sieht das Land Hessen derzeit keinen Handlungsbedarf. Das hat der für die Staatlichen Schlösser und Gärten zuständige Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU), dem SPD-Landtagsabgeordneten Günter Rudolph mitgeteilt. Der hatte sich an die Landesregierung gewandt, nachdem es die Verwaltung der Schlösser und Gärten bereits 2011 für sinnvoll erachtet hatte, die Schäden möglichst frühzeitig beseitigen zu lassen, damit Reparaturarbeiten nicht noch teurer werden.
Gegenüber einer Baubegehung im Mai 2014 konnte im Februar 2016 „keine bemerkenswerte Veränderung des Schadensbildes beobachtet werden”, teilte Rhein dem SPD-Politiker mit. Der hatte konkret nach der Beseitigung der Schäden und nach einem Zeitrahmen gefragt. Die Antwort: „Die Burgruine weist im Allgemeinen einen sehr guten Erhaltungszustand auf und bietet dank der vorbildlichen Betreuung der Anlage durch den Burgverein ein besonders gepflegtes Erscheinungsbild. Aussagen zu etwaigen Reparaturarbeiten, deren Kosten auf Dauer, können erst getroffen werden, wenn diese anstehen.”
Da diese Antwort, die Bauschäden betreffend, nicht den Tatsachen entspricht, und der Burgverein an einer Stelle Einsturzgefahr sieht, sprach Rudolph direkt mit dem Minister. Rudolph: „Ich habe ihn auf die vorhandenen Baumängel hingewiesen und um Abhilfe gebeten. Gerade die Ehrenamtlichen des Burgvereins können die Unterstützung des Landes Hessen erwarten.”
Kurz nach dem Gespräch mit dem Minister war nunmehr die Diplom-Ingenieurin Dr. Katarina Papajanni vom Sachgebiet Bauangelegenheiten und Denkmalpflege der Staatlichen Schlösser- und Gärtenverwaltung erneut auf der Felsburg. Der erste Besuch im Februar diente in erster Linie dem Kennenlernen des Denkmals.
Kulturwart Hans Poth und 2. Vorsitzender Georg von Vogt machten der Ingenieurin namens des Burgvereins an vielen Stellen deutlich, dass sehr wohl dringender Handlungsbedarf bestehe. An den gotischen Fenstern der Nordmauer sieht Poth Einsturzgefahr: „Prägende original mittelalterliche Bauteile des Pallas drohen unwiederbringlich verloren zu gehen, wenn nicht schnellstens gehandelt wird.”
Die Fachfrau bestätigte zudem, dass Wasser in den Burgkeller eindringt. „Die Sachen mit dringendem Bedarf werden abgearbeitet”, sagte Dr. Papajanni am Ende ihres Besuchs. Sie werde nun genau vergleichen, wie sich die Schäden gegenüber 2014 verändert hätten. „Alles wird weitergegeben, das Zeitfenster muss geklärt werden, es wird sehr schnell besprochen”, formulierte sie. Zur Finanzierung konnte sie nichts sagen. Hans Poth: „Wir wünschen uns in den nächsten vier bis sechs Wochen eine konkrete Rückmeldung.”  
Nässe nagt am Mörtel
Die 1000 Jahre alte Felsburg bleibt ein Fall für die Bausanierer und Denkmalpfleger. Zehn Jahre nach dem Abschluss der aufwändigen Sanierung waren an vielen Stellen des historischen Mauerwerks Schäden aufgetreten, weil Nässe am Mörtel nagt. Die Schäden sollen vom Land beseitigt werden, wenn die Finanzierung gesichert ist. Dies hatte Baudirektor Dr. Thomas Ludwig von Schlösser und Gärten bereits im März 2011 bei einem Ortstermin versprochen. Und: „Ich möchte dem Land Geld einsparen, indem man die Arbeiten jetzt erledigt. Hier muss etwas getan werden.” Dr. Ludwig ist seit zwei Jahren im Ruhestand. Und weil sich bisher nichts getan hat, ist auch für den Burgverein die Ministeriums-Antwort „derzeit kein Handlungsbedarf” so enttäuschend. Auch deshalb, weil Schlösser-Direktor Karl Weber gegenüber dem Verein bereits 2014 Hoffnung gemacht hatte, dass Felsberg in die nächste Instandsetzungs-Förderung komme. Dr. Ludwig hatte bei seinem letzten Besuch auf der Felsburg vor zwei Jahren gesagt: „Wie mit einem Neuwagen muss man auch mit einer Burg regelmäßig in die Instandhaltung gehen. Wenn man rechtzeitig investiert, spart das auf Dauer Geld.” (m.s.)  Foto Schaake
 Das sagt der Burgverein
„Es besteht dringender Handlungsbedarf, um in Zukunft größere Schäden zu verhindern, die dann auch unvergleichlich höhere Reparaturkosten verursachen werden.” Das sagt Horst Fenge, der Vorsitzende des Burgvereins Felsberg. Schäden, die bei früheren Baubesprechungen erörtert worden seien, seien in der Antwort des Ministeriums auf die Anfrage von Günter Rudolph nicht erwähnt worden. „Große Risse in der Nordmauer über den gotischen Fenstern im Pallas und im Durchgang der Stadtmauer bereiten uns große Sorgen”, sagt Fenge. Und: „Ein Bruch der Stürze über den Fenstern muss verhindert werden. Hier würden wichtige und charakteristische Teile der mittelalterlichen Burg verloren gehen. Je länger die Reparaturen hinausgeschoben werden, desto größer werden auch die Kosten sein.”

Nässe nagt