Die Felsburg-Sanierung dauerte länger als erwartet. Gotische Fenster wurden gerettet. Es war mehr Arbeit als geplant

Von Manfred Schaake

Die vom Einsturz gefährdeten Fenster an der Nordmauer der Felsburg sind gerettet, wertvolle Putzreste aus dem 13. Jahrhundert gesichert und undichte Mauerkronen vor dem Eindringen von Wasser geschützt. Die Restaurierungsarbeiten am staatseigenen Baudenkmal Felsburg haben viel länger gedauert als ursprünglich geplant. Das lag daran, dass nach Angaben des zuständigen Landesbetriebes Bau- und Immobilien Hessen (LBIH) weitere, vorher nicht erkennbare Risse und Fugenschäden festgestellt wurden.
Auf andere Schäden hatte der Burgverein Felsberg bereits vor drei Jahren hingewiesen. Nachdem Initiativen beim Land Hessen als Eigentümer der Burg erfolglos geblieben waren, startete der SPD-Landtagsabgeordnete Günter Rudolph Anfang 2016 eine Anfrage im Landtag. „Kein Handlungsbedarf”, schrieb der zuständige Minister Boris Rhein. Rudolph und auch der frühere Wirtschaftsminister Dieter Posch wiesen den Minister darauf hin, dass dies nicht der Wahrheit entspreche. Im Herbst 2016 kündigten Ministerium und die Verwaltung der Schlösser und Gärten dann die im März 2017 mit dem Abdichten des Kellers begonnenen Arbeiten an.
Die mit den Arbeiten an der Nordmauer beauftragte Diplom-Restauratorin Kirsten Harms hatte sich Anfang Juni auf fünf Wochen eingerichtet. Daraus sind nun mehr als drei Monate geworden.
LBIH verweist auf Anfrage der HNA auf Risse in dem sehr festen Basaltmauerwerk. Das sei vor allem auf thermische Spannungen zwischen dem dunklen Basalt und dem hellen Mörtel zurückzuführen ist. Hinzu komme, „dass  das Mauerwerk aufgrund der Höhenlage der Burg dem Wetter in besonderer Weise ausgesetzt ist”.
Nach dem Aufstellen des Gerüstes seien dann weitere Risse festgestellt worden. Es gebe aber keine statischen Probleme. Immerhin wurde jetzt auch an diesen Stellen gearbeitet. Für den Burgverein, der jedes Jahr über 1500 Stunden für die Pflege der Burg arbeitet, ist das ein Beweis dafür, dass sehr wohl dringender Handlungsbedarf bestanden hat und weiter besteht.
„Der Einsatz einer qualifizierten Fachrestauratorin für Stein und Putz wurde insbesondere zur Sicherung und Konservierung der wertvollen mittelalterlichen Putzreste erforderlich, da diese Arbeiten spezielle Kenntnisse und eine entsprechende besondere Sorgfalt verlangen.” Das sagte auf Anfrage LBIH-Sprecherin Christiane Bockler-Wentlandt. Die Unterhaltung der Mauerkrone und der Mauerflächen werde „auch weiterhin eine ständige Aufgabe sein”.
Während des Starkregens in Juli, bestätigt LBIH, sei im Burgkeller Wasser eingedrungen an Stellen, die vorher trocken gewesen seien. Der im Frühjahr abgedichtete Bereich zur Burg hin sei trocken geblieben. Die neu aufgetretenen Schäden sollen beseitigt werden.

Ausführliche Informationen beim Tag des offenen Denkmals
Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September 2017, hat Restauratorin Kirsten Harms  über die aktuellen Restaurierungsarbeiten informiert. Während einer Führung mit dem Kulturwart des Burgvereins, Hans Poth, hat sie erläutert, dass sie für die jüngsten Arbeiten eigens einen speziellen Fugenmörtel aus Kalk, Trass und selbst ausgesiebtem Sand entwickelt hat.
Die Restauratorin habe sehr gute Arbeit geleistet, erklärten Mitglieder des Arbeitskreises des Burgvereins bei einem „Richtfest”. Kirsten Harms, die schon an Weltkulturerben und der Hersfelder Stiftsruine gearbeitet hat, wurde als „Glücksfall für die Felsburg” gewürdigt. Sie gab den Dank an den Verein zurück: „Ein schönes Objekt und großartige Menschen mit viel Einsatz und Herz.”  

Musterflächen für Mauerkronen
Für die künftige Instandsetzung der Mauerkrone legte Restauratorin Kirsten Harms zwei Musterflächen über den gotischen Fenstern an. Dabei verwendete sie unterschiedliches Material. „Die Fugen sollen richtig dicht sein”, erläutert sie. Durch weniger Feuchtigkeitsaufnahme soll die Sprengkraft des Frostes reduziert werden. Der Mörtel soll zugleich eine höhere „Klebkraft” haben. Die Musterflächen sollen über den Winter beobachtet werden. Dann will man entscheiden, welche Mörtelrezeptur künftig angewandt wird. (m.s.)

  Schäden

Ein Foto mit Symbolkraft: Nässe ist der größte Feind des historischen Mauerwerks der Felsburg. Als sich der Arbeitskreis des Burgvereins aus Anlass der laufenden Restaurierungsarbeiten zu einem kleinen „Richtfest” auf der Baustelle traf, regnete es in Strömen. Im Bild vorn der Kulturwart des Burgvereins, Hans Poth, Diplom-Restauratorin Kirsten Harms und Arbeitswart Erik Herzog mit herausgefallenen Fugen. Fotos: Schaake

Restauratorin

Besserte auch Schäden an der Südmauer aus: Restauratorin Harms an dem zweiten Tor, das vor der Erweiterung der Burg um den Zwinger der einzige Zugang war.

Gerüst

Zeichen des Aufbruchs zu neuen Bauabschnitten: Das Baugerüst musste noch erweitert werden, weil man an der Nordwand im Bereich des ehemaligen Palas mit den gotischen Fenstern zusätzliche Schäden festgestellt hatte.