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Romantisch in die Ehe - Warum die Felsburg ein beliebter Heiratsort ist
Von Manfred Schaake
Die 1000 Jahre alte Felsburg hat sich zu einem beliebten Heiratsparadies entwickelt. Im Mai 2007 waren Michael und Andrea Gießler aus Körle die ersten, die sich auf der Burg standesamtlich trauen ließen. Bis zum Herbst dieses Jahres haben sich über 160 Paare in der einst dem Heiligen Pankratius geweihten Kapelle das Ja-Wort gegeben. Rekord-Jahre waren 2009, 2010 und 2012 mit jeweils 19 Hochzeiten.
Für Alexandra Keßeler aus Neuenbrunslar waren die Gelben Säcke der Schlüssel zur Romantik-Hochzeit. Als sie die Abfallsäcke im Felsberger Rathaus abholte, fiel ihr eine Broschüre „Heiraten in Felsberg” mit dem Untertitel „Romantikhochzeit auf der Felsburg in die Hand.
„Die Felsburg passt vom Typ her zu uns, weil es hier so romantisch ist”, sagte sie nach der Trauung mit ihrem Mann Manuel. „Es war so, wie wir uns das vorgestellt hatten.” „Die Zeremonie hat uns beeindruckt”, sagte der Bräutigam, „es war sehr feierlich”. Das Wettertief an diesem Tag konnte die Hochzeitsstimmung nicht stören, und die Braut gewann dem Regen auch etwas Positives ab: „Ich halte es mit der italienischen Weisheit: Nur eine nasse Braut ist eine glückliche Braut.” Heiraten auf der Felsburg – das sei eine gute Mischung zwischen dem büromäßigen Standesamt und Kirche, sagte die Braut.
Über zehn Jahre nach der allerersten Burg-Trauung am 12. Mai 2007 sind Andrea und Michael Gießler immer noch begeistert. „Die Trauung hat uns Glück gebracht”, sagt das Ehepaar heute. „Es war sehr schön und wir haben alles richtig gemacht”, sagt die Sparkassenangestellte Andrea Gießler, „und ich würde meinen Mann heute nochmal heiraten”. Warum Felsburg? „Nur Standesamt war uns zu wenig”, sagt das Ehepaar. Und: „Ein bisschen rustikal und die romantische Stimmung – das hat gut zu uns gepasst.”
„Ehen, die auf der Felsburg geschlossen wurden, sind so stabil wie die Burgmauern, sie halten ewig”, unterstreicht Hans Poth, der Kulturwart des Burgvereins. Bei jeder Burgführung spricht er über den besonderen Wert der Hochzeiten auf der Felsburg. Standesamtlich heiraten kann man in Felsberg auch im Burghotel Heiligenberg, im Gartenlokal „Zum Rosenhof” in Hesserode und in der Gründerzeitvilla in Gensungen.

Kerstin Sippel: Von Lederhose bis Dirndl
Auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Heiratsort werden Schlösser und Burgen bevorzugt, berichtet die Felsberger Standesbeamtin Kerstin Sippel. „Jedes Paar ist unterschiedlich”, erläutert sie. Manche kommen mit einer großen Gesellschaft, manche nur im engsten Familienkreis. Ein Paar wollte diesen besonderen Tag nur zu Zweit erleben. Bei der Kleidung sei alles möglich. Sippel: „Ob in mittelalterlicher Gewandung, in Dirndl und Lederhose, im Prinzessinnen-Brautkleid oder auch ganz leger – das Brautpaar kommt so, wie es ihm gefällt, denn es soll ja schließlich der schönste Tag im Leben werden.”
Die Standesbeamtinnen gehen laut Sippel auf die Wünsche des Paares ein und halten eine persönliche Traurede. Sie seien auch mal bereit, für die Trauung ins Mittelalterkleid oder ins Dirndl zu schlüpfen oder sich dem Motto des Brautpaares anzuschließen. (m.s.) Kontakt: Telefon 05662/50228 oder 59229.

Tauben als Friedensboten
Mitglieder des Burgvereins richten die Pankratiuskapelle für das Fest als Trauzimmer her. Nach jeder standesamtlichen Trauung auf der Felsburg laden das Burgwart-Ehepaar Gisela und Erich Majeske und Ingrid Maifarth zum Sektempfang ein. Vom Glockenspiel ertönt der Hochzeitsmarsch, und Majeske oder Heiner Maifarth wünschen jedem Brautpaar viel Glück und alles Gute. Eine besondere Attraktion: Vereinsmitglied Renate Braun lässt mit dem Brautpaar und Hochzeitsgästen Tauben fliegen. In der Tracht einer niederhessischen Magd bezeichnet sie die Tauben als Sinnbild des Friedens. „Ich wünsche Euch ein gemeinsames friedvolles und schönes Leben”, gibt sie den frisch vermählten Paaren mit auf den Weg. Was Tauben symbolisieren, gelte auch für eine gute Ehe: Lebensfreude, Friede und Vitalität.
Als Nestlinge erhalten Brieftauben Ringe, die ihre Zugehörigkeit zum Heimatschlag zeigen. Und wenn sich die Frischvermählten als Symbol der Zusammengehörigkeit Ringe anstecken, sagt Renate Braun: „Mögen Sie immer wieder zusammenkommen – so wie die Tauben ihren Heimatschlag auch aus großer Entfernung wiederfinden.”  (m.s.)

Stichwort Pulverhäuschen
Das im Volksmund Pulverhäuschen genannte einzige noch erhaltene Felsburg-Gebäude mit Dach ist das Pankratius benannt. Er war um 300 nach Christus ein frühchristlicher Märtyrer. Das Gebäude mit Rundbogen und Tonnengewölbe wurde im romanischen Stil gebaut. Von 1544 bis 1846 wurde hier Pulver der hessischen Artillerie gelagert. Die günstige Lage Felsbergs am Schnittpunkt von zwei Handelsstraßen sorgte für den Ausbau der Burg zu einer Festungsanlage, erläutert Kulturwart Hans Poth vom Burgverein. Die hessischen Landgrafen wie Philipp der Großmütige und Moritz der Gelehrte entwickelten für den Verteidigungsfall der Landgrafschaft ein Landesdefensionswerk mit Waffen und Munition in Depots, wie auf der Felsburg. Poth: „Soldaten ließen sich aus der Bevölkerung rekrutieren.”
Nachdem 1789 ein Blitz in den Bergfried eingeschlagen hatte, gab es bei der Landesverwaltung mehrfach Eingaben mit der Bitte um Beseitigung des Pulvers. Die Bevölkerung hatte Angst. 1846 wurde das Pulver ins Kasseler Zeughaus transportiert. (m.s.)